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Es klingt zunächst wie eine gute Nachricht: Laut Statistischem Bundesamt kennt die Bundesrepublik Deutschland zwar das Phänomen der „Teenie-Mütter“, allerdings sinkt ihre Zahl seit 20 Jahren konsequent. Immer weniger Mädchen werden in Deutschland Mutter, bevor sie das 18. Lebensalter erreichen. 2018 hatten landesweit 0,6% aller Kinder eine Mutter unter 18 Jahren, 1998 waren es noch 0,8%. Spitzenreiter der Statistik ist das Bundesland Sachsen-Anhalt: Hier hatten 2018 noch 137 Mädchen und Jungen eine Mutter, die nicht volljährig war. Experten schätzen, dass der Anteil der Teenie-Mütter in Deutschland so gering sei, weil zum einen die Kinder zunehmend im frühen Alter sexuelle Aufklärung erhalten. Außerdem kennt das Selbstbild vieler junger Frauen nicht mehr das Mutter-Sein vor Ausbildung und Beruf als wichtigstes Ziel im Leben.

Das Phänomen der Teenie-Schwangerschaft ist also keines mehr, das einen großen Teil der Bevölkerung beschäftigt und doch werden noch immer jedes Jahr hunderte Mädchen schwanger. Die Gründe dafür sind zahlreich und haben viel mit dem sozialen Hintergrund und Familiengeschichten der Kinder zu tun.

Der frühe Kinderwunsch ist oft mit unrealistischen Erwartungen verbunden

Für viele Mädchen ist die frühe Schwangerschaft kein Versehen, sondern ein Wunsch. Die Geburt eines eigenen Kindes wird mit Wünschen und Hoffnungen verbunden, die allerdings oft unrealistisch sind. So nennen Therapeuten und Pädagogen als einen der häufigsten Gründe für die frühe Wunsch-Schwangerschaft den fehlgeleiteten Versuch der Teenie-Mutter, die eigene, innere Leere und Perspektivlosigkeit zu kompensieren. Die Geburt und das Umsorgen eines Kindes soll dem eigenen Alltag Struktur, Halt und Stabilität geben.

Vielfach versuchen Mädchen mit der Schwangerschaft auch, eine bröckelnde Beziehung zu retten oder ihren Beziehungspartner noch fester an sich zu binden. Aber auch der Irrglaube, als Mutter nicht mehr zur Schule gehen zu müssen, spielt ebenso eine Rolle, wie eine natürliche hohe sexuelle Aktivität, ohne sich Gedanken um das Risiko einer Schwangerschaft zu machen.

Doch es gibt daneben noch weitere Gründe für Mädchen, möglichst früh eine eigene Familie gründen zu wollen: Viele Teenie-Mütter sehnen sich nach einer Art „Heilfamilie“, in der alles besser, schöner und harmonischer verlaufen soll, als sie es von ihrer eigenen Familie kennen. Deswegen kommen auch viele junge Mütter aus sozial schwachen Schichten. Die Geburt ihres Kindes soll ihnen dabei helfen, die eigene, unglückliche Kindheit zu verdrängen.

So nachvollziehbar diese Gedankengänge auch klingen mögen, so ungeeignet sind sie als Grundlage für eine frühe Schwanger- und Elternschaft: Die Geburt und Erziehung eines Kindes ist mit hohen finanziellen, aber auch emotionalen Herausforderungen verbunden. Die Elternschaft im jungen Alter ist in erster Linie ein Kraftakt und nicht etwa die Rettung für eine instabile Beziehung oder die Wiedergutmachung einer schwierigen Kindheit.

Anlaufstellen und Hilfsangebote greifen Teenie-Müttern unter die Arme

 Spätestens mit der Geburt des Kindes holt die Realität dann die jungen Mütter ein: Die Schulpflicht besteht weiterhin, im schlimmsten Fall ist der Beziehungspartner verschwunden. Gleichzeitig müssen eine Reihe ganz neuer Bedürfnisse wahrgenommen und erfüllt werden — nämlich die des neugeborenen Kindes. Hinzu kommt schließlich auch die finanzielle Belastung, sich selbst und den Nachwuchs zu versorgen. Für viele Teenie-Mütter eine verzweifelte Situation. Die große Frage steht im Raum: Wie geht es jetzt weiter?

Im Idealfall steht die eigene Familie den Teenie-Müttern bei: Die Eltern können beim Babysitting einspringen, finanziell aushelfen, aber auch mit Liebe, Verständnis und Bestärkung die Ängste und Sorgen der jungen Mütter lindern. Angebote für ein offenes Ohr, Ratschläge auf Nachfrage und offene Gespräche sind viel wert. Auch die Begleitung zu wichtigen Arzt- oder Amtsterminen ist für junge Mütter eine große Stütze.

In der Realität reagieren die eigenen Eltern allerdings nicht immer so offen und verständnisvoll auf die neue Situation. Stattdessen kann die womöglich überraschende Mutterschaft der eigenen Tochter ein überwältigender Schock sein, der in Frustration, Unverständnis und Ablehnung mündet. Spätestens jetzt sollten sich Teenie-Mütter an die zahlreichen Hilfs- und Beratungsangebote wenden, die sich um die Bedürfnisse und Fragen der jungen Elternteile kümmern können.

Als zentrale Anlaufstelle empfehlen Experten das Angebot von „Schwanger unter 20“. Hier haben Therapeuten, Pädagogen und Projektmitarbeiter Antworten auf die drängendsten Fragen, sowie Hilfsangebote gesammelt. Die Website kann als Sprungbrett genutzt werden, um Kontakte zu Beratungsstellen in Wohnortnähe herzustellen. Außerdem gibt es hier ein Hilfetelefon, das Betroffenen anonym weiterhilft.

Aber auch das Beratungsangebot der klassischen Anlaufstellen kann eine große Hilfe sein: So können Teenie-Mütter beim Jugendamt anrufen; hier unterliegen die Mitarbeiter einer Schweigepflicht und können finanzielle, sowie wirtschaftliche Hilfen vermitteln und anbieten. Ähnliche Beratungs- und Hilfsangebote gibt es außerdem bei Pro Familia, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz und der Diakonie. Hier können sich die Teenie-Mütter auch über betreute Wohnangebote informieren.

Hilfe suchen — und auch finden

Eine weitere, weniger bekannte Möglichkeit für Teenie-Mütter direkte und persönliche Unterstützung zu erhalten, sind Familienhebammen: Ärztlich geschulte Frauen, die werdende Mütter auch schon vor der Geburt betreuen, Hausbesuche machen und als Ansprechpartner Fragen direkt beantworten und bei der Erziehung mithelfen können. Bis zum ersten Geburtstag des Kindes dürfen sie diese Aufgaben übernehmen. Bezahlt wird dieses Angebot dabei nicht von der betreuten Mutter, sondern vom Jugend- oder Sozialamt. Weiterführende Informationen und Beratungsangebote liefert dafür der Deutsche Hebammenverband, der online, aber auch telefonisch erreichbar ist.

Egal, für welches dieser Hilfsangebote sich Teenie-Mütter entscheiden, wichtig ist, dass sie aktiv nach Hilfe suchen. Die Schwangerschaft, Geburt und Erziehung eines eigenen Kindes ist gerade für die Mütter, die selbst noch Kinder sind, eine große Herausforderung. Und um diese Herausforderung auch wirklich erfolgreich zu bewältigen, stehen die Beratungsstellen vieler Einrichtungen und Anlaufstellen bereit, um den Teenie-Müttern bei diesem aufregenden, neuen Kapitel in ihrem Leben zur Seite zu stehen.

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