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Die Diagnose für eine chronische Krankheit zu erhalten und zu realisieren, dass ein Leid nicht einfach so verschwinden wird, kann einen Menschen schwer treffen. Das Leben mit Einschränkungen muss dann irgendwie zur Normalität werden. Oft ist man auf ständige Hilfe von Pflegern oder Medizinern angewiesen, Gewohnheiten müssen geändert werden, ständige Medikamenteneinnahme wird erforderlich. Die Arztpraxis kann einem im Laufe der Zeit so vertraut werden wie das eigene Wohnzimmer. Chronische Krankheiten haben großen Einfluss auf die Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und die eigene Lebenserwartung. Es gibt aber Wege und Möglichkeiten, wie man sich über die verordnete Behandlung hinaus weiterhelfen kann.

 Was ist eine chronische Krankheit?

Der Gemeinsame Bundesausschuss definiert eine Krankheit als „schwerwiegend chronisch“, wenn sie wenigstens ein Jahr lang, mindestens einmal pro Quartal ärztlich behandelt wurde. Dazu muss eine Pflegebedürftigkeit von Stufe 3 oder höher, ein Grad der Behinderung von mindestens 60 vorhanden oder eine kontinuierliche medizinische Versorgung erforderlich sein.

Chronisch Kranke sind in der Regel in ihren Lebensbedingungen und ihrer allgemeinen Unabhängigkeit eingeschränkt. Je nach Art der Erkrankung können sie oft nicht sorgenfrei an vielen Aktivitäten des täglichen Lebens teilnehmen. Tätigkeiten, die für die meisten selbstverständlich sind, sind für chronisch Kranke mit Einschränkungen verbunden oder gar nicht möglich. Das können Dinge in der Freizeit, wie eine Fahrradtour oder ein Besuch im Freibad sein oder banale Alltagstätigkeiten, wie der Einkauf im Supermarkt oder ein Essen im Restaurant.

Auch beruflich müssen sich Menschen mit chronischen Erkrankungen anders orientieren als Gesunde und haben nicht die gleiche freie Wahl, wenn es um eine Karriere geht. Oft ist es auch die lange Ausübung einer Arbeit selber, die zum chronischen Leid – und zur Berufsunfähigkeit – führt.

Fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten einer repräsentativen Studie der kassenärztlichen Bundesvereinigung von 2017 gab an, an einer lang anhaltenden Krankheit zu leiden. Chronische Erkrankungen betreffen zwar meist Menschen im höheren Alter, aber auch bei jungen Leuten sind sie alles andere als selten: Mehr als ein Viertel (26 Prozent) der unter 30-Jährigen sind von einer chronischen Krankheit geplagt, bei den 70- bis 79-Jährigen sind es 72 Prozent. Es handelt sich also hier nicht um eine Ausnahmeerscheinung, sondern um Leiden, die große Teile der Bevölkerung betreffen. Europaweit gelten chronische Krankheiten als Todesursache bei 86 Prozent aller Menschen.

Mit diesen chronischen Krankheiten haben die Menschen am meisten zu kämpfen

Am häufigsten haben Menschen unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden, darunter Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Herzschwäche und koronare Herzkrankheit. Wer solche Krankheiten nicht regelmäßig medikamentös behandelt, riskiert schwere körperliche Schädigungen, bis zum plötzlichen Herztod. Wer hierunter leidet, kann nur noch beschränkte Mengen an physischem und psychischem Stress tolerieren und muss auf eine äußerst gesunde Lebensführung achten.

Ein anderes großes Feld von chronischen Krankheiten sind Rücken-, Gelenks- und Knochenerkrankungen. Diese Leiden sind oft die Folge von jahrzehntelangen Belastungen, etwa im Arbeitsleben. Sie können aber auch plötzlich auftreten, zum Beispiel ausgelöst durch einen Sportunfall. Die Folgen können ständige Schmerzen und Bewegungsunfähigkeiten sein, welche durchgehend mit Medikamenten behandelt werden müssen.

Atemwegserkrankungen wie Asthma, Bronchitis und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) betreffen laut KBV-Umfrage überdurchschnittlich häufig jüngere Patienten unter 30. Diese Form der Erkrankungen können den gesamten Körper schwächen und anfällig für weitere Krankheiten machen. Oft sind Betroffene auf medizinische Behandlung durch Inhalatoren angewiesen.

Weitere häufige chronische Krankheiten sind Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, neurologische Krankheiten, Allergien und Krebserkrankungen. Chronische Krankheiten sind ja deshalb so verbreitet, weil praktisch jeder Körperteil und jedes Organ von einer nicht heilbaren Schädigung betroffen werden kann. Dazu kommen noch seltene Krankheiten, die außer Betroffenen und Experten kaum jemand kennt. Man kennt etwa 6.000 dieser Krankheiten, zusammengenommen sind diese Patienten ebenfalls eine nicht unbedeutende Gruppe.

Chronisch Kranke anfälliger für Depressionen

Es ist von jedem individuell abhängig wie stark man unter einem bestimmten Syndrom leidet, wie sich dies auf sein Leben auswirkt und wie man damit umgeht. Allerdings haben Menschen mit chronischen Krankheiten oft gemein, dass sie unter psychischen Problemen leiden. Durch die Einschränkungen im Alltag fühlen sie sich leicht ausgegrenzt, was zu Isolation und Depressionen führen kann. Durch ein Gefühl der Ausschließung steigern sich schädliche Verhaltensweisen, wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Alkohol- und Tabakkonsum – Risikofaktoren, die auf Körper und Geist schlagen. Man fühlt sich nicht bloß schlecht, sondern trägt auch Gefühle wie Trauer und Wut mit sich herum. Viele wissen nicht, damit umzugehen.

Wie lässt sich das psychische Leid lindern?

Unter einer Krankheit zu leiden, bedeutet immer auch Stress. Arztbesuche, Medikamente, Therapiesitzungen können jemanden, der sich gegen all das sträubt, psychisch zermürben. Deshalb ist es wichtig, die Motivation für die eigene Behandlung aufrechtzuerhalten. Wer selber aktiv wird und sich die größtmögliche Mühe gibt alles für seine Besserung zu geben, wird schnellere Resultate sehen, als jemand, der sich bei den Terminen quält. Es ist gut, sich ständig auf dem Laufenden zu halten, was neue Fortschritte auf dem jeweiligen Gebiet angeht – so kann man selber zum Experten für die eigene Krankheit werden. Und wenn man unzufrieden mit der eigenen Behandlung oder mit einzelnen Therapeuten ist, sollte man sich so gut es geht selber um Alternativen bemühen. Positive Aktivität und Motivation für die eigene Behandlung macht einen nicht bloß gesünder, sondern gibt einem ein Lebensziel und holt einen aus der Opferrolle raus.

Gesundes Essen ist für Kranke Menschen noch wichtiger als für Gesunde. Es ist erwiesen, dass vitaminreiche ausgewogene Ernährung besser für die Psyche ist. Dabei ist es wichtig, den Ratschlägen der Experten zu folgen, wenn es um spezielle Diäten für die jeweilige Erkrankung geht. Körperliche Fitness macht ebenfalls sowohl psychisch als auch physisch stark. Selbst eingeschränkte Menschen können Wege finden, ihre Kraft, Agilität und Kondition zu trainieren.

Selbst für gesunde Menschen ist es eine Herausforderung, ohne Hilfe von außen ihre Gewohnheiten umzustellen, zu lernen positiver zu denken und Akzeptanz und Dankbarkeit für ihre Lebenssituation zu empfinden. Es tut immer gut sich regelmäßig mit Freunden und Verwandten auszutauschen. Wenn es im näheren Umfeld niemanden gibt, der einem weiterhelfen kann, kann man sich einer Selbsthilfegruppe anschließen, wo man Menschen mit ähnlichen Problemen kennenlernt. Auch muss man nicht klinisch depressiv sein, um die Dienste eines Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen.

Jeder, der negative Gedanken in seinem Kopf kreisen lässt, ob bedingt durch eine chronische Krankheit oder nicht, kann lernen, diese besser zu kontrollieren. Viele Menschen leiden mehr unter der eigenen inneren Stimme, als unter ihren tatsächlichen körperlichen Symptomen. Achtsamkeitsübungen können die nagende Selbstkritik zum Schweigen bringen und auf körperlicher Ebene zeigen, wie mit ständigen Schmerzen umzugehen ist. Das kann die klinisch belegte MBSR-Technik sein, die rein auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, oder eher spirituelle Meditationstechniken. Die eigene Seele ergründen kann damit man auch vom Krankenbett aus.

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