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Die Trauerfeiern von Lady Diana, Helmut Schmidt und zahllosen anderen Pop-Ikonen, Politikern und Monarchen gehören seit Jahrzehnten zu den größten TV-Ereignissen des Jahres: Millionen Menschen verfolgen diese Veranstaltungen vor dem Fernseher, sehen die Trauerzeremonien und nehmen auf ihre Weise Abschied von der verstorbenen Berühmtheit.

Was einst den Promis unserer Zeit vorbehalten war, ist mittlerweile für viele einfache Familien zur Realität geworden: Beerdigungen, die im Livestream für Angehörige übertragen werden. Sie gehören seit über zehn Jahren zum Alltag einer modernen, digitalisierten Trauerkultur, die ihre Anfänge in Großbritannien hat.

Oma mit bunten HaarenScott Watters, Chef des Bestattungsinstituts Cornwall Funeral Services, ist einer führenden „Livestream-Bestatter“ Südenglands. Trauernde, die gemeinsam mit ihm eine Beerdigung organisieren, können auf Wunsch eine Übertragung der Feierlichkeiten über das Internet buchen — und damit allen Angehörigen, die nicht vor Ort sein können, trotzdem eine Möglichkeit zum Abschiednehmen bieten. „Es geht nicht nur darum, zu sehen, was passiert, sondern sich als Teil des Ganzen zu fühlen“, wie Watters in einem Interview erklärt.

Und dieses Ganze schließt weit mehr ein als nur die Beerdigung selbst: Der Livestream der Cornwall Funeral Services beginnt bereits mit der Ankunft der ersten Gäste. So sollen die Zuschauer sich wirklich als Teil der Trauergemeinschaft fühlen und Gelegenheit bekommen, sich auf die Feierlichkeiten einzustellen. Doch der frühe Start der Übertragung hat auch ganz praktische Gründe, wie Watters erklärt. So sei es für die Angehörigen vor den Bildschirmen beruhigend, wenn sie sich davon überzeugen können, dass mit der Verbindung alles in Ordnung ist.

Nicht makaber, sondern zeitgemäß

Auf den ersten Blick erscheint eine „Livestream-Beerdigung“ vielleicht makaber und bizarr. Doch für Watters und seine vielen Kollegen, die diesen Dienst anbieten, ist die Online-Beerdigung nur ein logischer, nächster Schritt im digitalen Zeitalter.

So sieht das auch Björn Wolff, der gemeinsam mit zwei Freunden in Berlin das Startup Mymoria gegründet hat, das sich auf die digitalisierte Beerdigung spezialisiert hat — inklusive Livestreams. „Unsere Kunden schätzen es, dass sie bei Mymoria komplette Bestattungen online planen können und bei Bedarf zusätzlich zu jeder Zeit mit jemandem am Telefon sprechen können. Sie wollen eben nicht zu einem Bestatter in ein Büro gehen und auch keinen Bestatter mit Prospekten zu Hause empfangen.“

Jeder Aspekt, von der Beerdigungsform bis zur Anzahl der Kerzenständer und Trauerbegleiter, lässt sich auf der Website des Berliner Startups an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anpassen. Auch, ob die Beerdigung via Livestream für Angehörige übertragen werden soll. Wie teuer die Livestreams sind, lässt sich auf der Website des Unternehmens nicht einsehen, doch normalerweise ist der Wunsch einer Online-Übertragung nur mit geringen Mehrkosten verbunden.

Auch deswegen bleibt die Livestream-Beerdigung ein Service, der mittlerweile vor allem von der jüngeren Generation gerne angenommen wird — und der ganz nebenbei eine gesellschaftliche Diskussion anstößt. Das zumindest erhofft sich das Berliner Gründertrio, wie Wolff erklärt: „Wir machen bei unserer täglichen Arbeit die Erfahrung, wie wenig Menschen über den Tod wissen und wie viele Fragen sie eigentlich dazu haben. Sie wollen darüber reden, wenn Sie die Möglichkeit haben.“

Und während Beerdigung-Livestreams den Tod auch über weite Distanzen im heimischen Wohnzimmer zum Thema machen, bemüht sich Mymoria unter dem Hashtag #wirsprechendrueber seit Monaten, ein offenes Gespräch über Vergänglichkeit, Sterben und Verluste im Internet zu führen.

Viele Bestatter bieten mittlerweile Livestreams an

Zwar sind die Beerdigungen im Stream in Deutschland noch nicht so verbreitet wie im englischsprachigen Ausland, doch lässt sich beobachten, dass auch hierzulande immer mehr Bestatter digital nachrüsten. Während Unternehmen wie Mymoria bundesweit ihre Dienste anbieten, haben auch vielfach lokale Bestatter den Livestream in ihr Angebot übernommen. Zu ihnen gehört das Krematorium Hemau in Bayern, die ähnlich wie das Berliner Startup „Beerdigungs-Pakete“ anbieten. Eine Reihe unterschiedlicher Serviceleistungen von Sargdekoration bis hin zu engagierten Trauerrednern und einem 10-Gänge-Menü.

Auch Livestreams sind Teil des Angebots, die von Kunden gebucht werden können. Kurz vor der Trauerfeier erhalten die Angehörigen dann einen Link zu einem privaten, verschlüsselten Livestream direkt auf der Website des Unternehmens, von wo aus sie die Trauerfeier ansehen können. An dem passwortgeschützten Stream können nur die Personen teilnehmen, die vom Auftraggeber als Mittrauernde angegeben wurden.

Auf Wunsch können sie sogar eine Aufzeichnung der Feierlichkeiten erwerben. Und es geht noch weiter: Es ist möglich, nach der Beerdigung die Urne des Verstorbenen für maximal ein Jahr via Webcam am Aufbewahrungsort im Krematorium zu beobachten — 24 Stunden am Tag. So können Trauernde nach der Bestattung an Zeremonien wie etwa dem Anzünden von Andachtskerzen dabei sein, ohne selbst an den Ort des Begräbnisses reisen.

Ein Livestream ersetzt nicht das Trauern vor Ort

So spannend und praktisch die Möglichkeiten der Technik auch sind, so häufig merken Anbieter an, dass der Livestream eine gute Alternative, aber kein Ersatz für den Besuch vor Ort sei. Wer einer Beerdigung vor Ort beiwohnt, bekommt Gelegenheit, sich in persona mit anderen Trauernden auszutauschen, Umarmungen auszutauschen, einander Trost zu spenden.

Wer die Feierlichkeiten hingegen via Livestream verfolgt, sitzt nach Abschluss der Zeremonie vor einem schwarzen Bildschirm und spürt die Distanz, die während der Stream-Übertragung überbrückt werden konnte. Einige wenige Anbieter, vor allem in Großbritannien, bieten mittlerweile zwar sogar Möglichkeiten an, dass Zuschauer während eines Streams zu Wort kommen können, doch in Deutschland hat dieses Angebot noch nicht Fuß gefasst.

Trotzdem: Die Livestream-Beerdigung bleibt eine große Bereicherung für all jene, die aufgrund großer Distanzen nicht rechtzeitig am Ort der Feierlichkeiten angekommen wären. Das betont auch der englische Bestatter Watters: „Es hat eigentlich schon immer einen Bedarf dafür gegeben. Es gab schon immer Menschen, die nicht zu einer Beerdigung reisen konnten, warum auch immer, aber jetzt gibt es wenigstens ein Angebot für diese Trauernden.“

Trauernde sollten sich hierzulande bei ihrem örtlichen Krematorium oder Bestattungsinstitut erkundigen, inwiefern die Möglichkeit besteht, einen Livestream einzurichten. In vielen Fällen ist es möglich, dass Fotografen vor Ort sich in Absprache mit einem Bestatter um die Einrichtung der Technik kümmern können, um so auch den Trauernden, die nicht anwesend sein können, die Gelegenheit für einen Abschied zu geben.

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