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Am 18. September 1970 verstarb Jimi Hendrix an einer Überdosis Schlaftabletten und Alkohol. Er hinterließ eine trauernde Musikwelt, die er zeitlebens mit seinem Gitarrenspiel begeistert und geprägt hatte. Bis heute ranken sich zahllose Mythen und Geschichten um das Privatleben des charismatischen Gitarristen. Im Laufe seiner Karriere hatte er mit einem zunehmend exzessiven Drogenkonsum, Angststörungen und Depressionen zu kämpfen. Nach seinem Tod nahmen diese Geschichten kein Ende, sondern wurden um ein neues, spektakuläres Kapitel ergänzt: Der verstorbene Hendrix sei dem legendären „Klub 27“ beigetreten – eine Gemeinschaft berühmter Musiker, deren Tode bis heute abenteuerliche Verschwörungstheorien umgeben.

Was steckt hinter dem „Klub 27“?

Als „Klub 27“ wird eine Gruppe von einflussreichen Musikern bezeichnet, die allesamt im Alter von 27 Jahren verstorben sind. Zum Kern dieses Klubs zählen Jimi Hendrix, Hippie-Legende Janis Joplin, The-Doors-Frontmann Jim Morrison, Rolling-Stones-Gitarrist Brian Jones und schließlich Nirvana-Gründer Kurt Cobain. Doch die Liste wird ständig um weitere Musiker des 20. Jahrhunderts erweitert, die mit jenem unheilvollen Alter verstarben. Auch Amy Winehouse, die 2011 umkam, wurde schlagzeilenwirksam dem Klub hinzugefügt. Wie aber wurde der „Klub 27“ eigentlich so berühmt?

Tatsächlich war es Cobains Mutter, die kurz nach dem Suizid ihres Sohns 1994 in einem Interview mit der Zeitung „The Daily World“ den „Klub 27“ (alternativ auch „Club 27“ oder „Forever 27 Club“) ins Rampenlicht zerrte. In jenem Interview kommentierte sie den Tod ihres Sohnes: „Jetzt ist er von uns gegangen und diesem blöden Klub beigetreten. Ich habe ihm gesagt, er soll diesem blöden Klub nicht beitreten.“

Diese Äußerung weckte die Neugier der Medien und die Vorstellungskraft der Menschen. Nach und nach griffen Internetforen und Radiostationen den Mythos des „Klub 27“ auf und spekulierten, warum scheinbar so viele Musiker in diesem jungen Alter verstarben.  Schnell wurden neben dem Todesalter weitere Gemeinsamkeiten zwischen Hendrix, Cobain, Joplin & Co. gefunden. Allen voran: Ein exzessiver Lebensstil, geprägt von Drogenmissbrauch und Alkoholsucht – und ein weitreichender musikalischer Einfluss, sowie eine charismatische Bühnenpräsenz.

Für viele Menschen genügen diese Gemeinsamkeiten, um an mehr als nur einen Zufall zu glauben. Selbst Journalisten wie Michael Pilz befeuerten den „Fluch des Klub 27“ über die Jahre mit waghalsigen Aussagen. So schrieb er für „Die Welt“ in einem Zeitungsartikel, dass der Klub 27 kein Mythos sei. Im Gegenteil könnten Wissenschaftler sogar belegen, dass es statistisch auffällig viele Musiker gäbe, die in diesem Alter gestorben seien. Zahlen, Belege oder andere Quellen für diese Aussage zitiert der Journalist allerdings nicht. Und das wohl aus gutem Grund, denn haltbar ist der Mythos vom verfluchten „Klub 27“ in keiner Weise.

Ein Mythos, der widerlegt werden kann

Wer sucht, der findet: Was einer Binsenweisheit gleicht, kennt die Psychologie als „selektive Wahrnehmung“. Diese scheint auch im Fall des „Klub 27“ verantwortlich für die nicht enden wollende Popularität dieses Mythos zu sein. So lässt sich beispielsweise mit etwas Recherche und der Suche an den richtigen Orten die Zahl 27 zu einem bedeutungsschweren Symbol stilisieren, das nur noch wenig mit den Biografien von Hendrix, Cobain, Joplin & Co. zu tun hat. Die Bibel kennt zum Beispiel 27 Bücher im neuen Testament oder erzählt von exakt 27 Generationen, die den sagenhaften König David von Jesus Christus trennen. Klingt vielsagend, hat aber nichts weiter zu bedeuten. Auch lassen sich problemlos zahllose weitere Klubs wie der „Klub 33“ oder „Klub 42“ gründen, in denen eine ganze Reihe von Musikern versammelt werden können, die in jenem Alter verstorben sind.

Ein Blick in die Statistiken offenbart, dass Aussagen wie die von Michael Pilz nicht haltbar sind. Eine Studie der Universität Queenslands (Australien) wies Ende 2011 nach, dass es keine statistische Auffälligkeit für die Anzahl der verstorbenen 27-jährigen Musiker gebe, aber sehr wohl besonders viele Stars zwischen 20 und 40 Jahren umkommen würden. Eine Studie der John Moores University in Liverpool belegt diese Zahlen und wies darüber hinaus nach, dass die Sterbewahrscheinlichkeit von Musikern insbesondere in den ersten fünf Jahren des Durchbruchs besonders hoch sei. Hier würden Erfolgsdruck, das ungewohnte Rampenlicht und Stress am intensivsten die psychische und körperliche Gesundheit der Betroffenen angreifen.

Gerade in den 1960er und 1970er Jahren, in denen ein Großteil der „Klub 27“-Mitglieder auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs angelangt waren, kommt außerdem ein reger Kontakt mit den damaligen Modedrogen LSD, Kokain und Alkohol hinzu – eine lebensbedrohliche Kombination aus Rampenlicht-Effekt und Rauschmitteln. Der „Klub 27“ bleibt ein Mythos, der nicht belegt werden kann. Aber sich gerade durch die Bekanntheit seiner Mitglieder hat er sich hartnäckig im Gedächtnis der Popkultur verankert.

Eine sich selbsterfüllende Prophezeiung

Mittlerweile hat sich der „Klub 27“ zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung entwickelt: Wie ein Damoklesschwert scheint dieser Klub über Musikern zu schweben, die das offenbar verhängnisvolle Alter erreichen. So schreibt der Journalist Josh Hunter in seinem Buch „The 27s: The Greatest Myth of Rock & Roll“ von einem Interview mit Britney Spears, in dem die Sängerin ihre Furcht vor ihrem 27. Geburtstag beschrieben habe. Auch Amy Winehouse soll ihrem Assistenten mehrfach ihre Angst gebeichtet haben, dem „Klub 27“ beizutreten. Dass die Sängerin nach einer Alkoholvergiftung tatsächlich im Alter von 27 Jahren verstarb, befeuerte Verschwörungstheoretiker, die für die Tode der „Klub 27“-Mitglieder Mordkomplotts und sogar übersinnliche Phänomene verantwortlich machen.

Doch der Blick in die Statistik und die Psychologie zeigt: Dieses popkulturelle Phänomen hat weniger mit übersinnlichen Mächten oder weitreichenden Verschwörungen, als vielmehr mit selektiver Wahrnehmung zu tun. Hendrix, Johnson, Joplin, Cobain – die Kernmitglieder des Klubs – wurden zum Opfer des Rocker-Images, mit dem sie sozialisiert wurden. Drogen- und Rauschmittelmissbrauch, sowie unbehandelte psychische Traumata setzten ihren Karrieren ein tragisches Ende. Sie alle haben es dennoch verdient, für ihre musikalischen Meilensteine und nicht wegen eines unglücklichen Zufalls in Erinnerung gehalten zu werden.

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