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Wenn im Alter das Gedächtnis nachlässt und die Erinnerung an die eigene Hochzeit, das erste Kind oder das Abendessen am Vortag plötzlich schwerfällt, befürchten viele Menschen eine ganz bestimmte Diagnose: Demenz. Diese chronische Erkrankung des Gehirns, die schleichend kognitive, emotionale und soziale Fähigkeiten des Betroffenen auflöst, gilt nicht als Volkskrankheit – und doch sind in Deutschland laut Deutscher Alzheimer-Gesellschaft knapp zwei Millionen Menschen als dement diagnostiziert.

Aber nicht nur Betroffene müssen sich mit dieser Erkrankung auseinandersetzen, auch die Angehörigen sehen sich plötzlich mit der Herausforderung konfrontiert, sich auf eine neue Lebenssituation einzustellen. Fragen nach dem richtigen Umgang mit Demenzkranken tun sich auf, die von großer Unsicherheit und Angst genährt werden: Darf ich Fehler korrigieren oder lasse ich alles zu? Halte ich Probleme und schlechte Neuigkeiten von dem Betroffenen fern oder verhalte ich mich ganz normal? Und was mache ich, wenn mich die demenzkranke Person plötzlich nicht mehr erkennt?

Dankenswerterweise sind all das Fragen, auf die es hilfreiche und tröstende Antworten gibt. Mehr noch: Wer nur einige wenige Grundregeln im Umgang mit demenzkranken Personen beachtet, kann entscheidend dazu beitragen, dass Betroffene trotz ihrer Einschränkungen noch viele Jahre ein erfülltes und glückliches Leben führen können.

Rituale geben in schwierigen Momenten Halt und Sicherheit

Die 28-jährige Studentin Anja* arbeitet seit eineinhalb Jahren in einem Pflegewohnheim für Demenzkranke und teilt gerne ihr Wissen um den richtigen Umgang mit Betroffenen. Sie und ihre Kollegen betreuen täglich neun demenzkranke Bewohner zwischen 70 und 80 Jahren. Einige unter diesen litten monatelang unter Fehlentscheidungen ihrer Angehörigen, die häufig völlig unwissend getroffen werden, wie Anja zu erzählen weiß: „Sobald bemerkt wird, dass ein guter Freund, Ehepartner oder Geschwisterteil dement wird, holen die Angehörige den Betroffenen zu sich in die Wohnung, um ihn immer im Blick zu behalten. Dieser Wunsch, den Demenzkranken in Sicherheit wissen zu wollen, führt meistens aber zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes.“

Denn gerade für die Betroffenen sei es wichtig, ein vertrautes Umfeld und eine feste Tagesstruktur zu haben, an die sie sich halten können. Stattdessen werden sie aber häufig von ihren besorgten Angehörigen von jeglichen Alltagshandlungen isoliert, um sich vermeintlich zu schonen oder auszuruhen – doch der gegenteilige Effekt ist dann die Folge, wie Anja beschreibt: „Eine vertraute, gleichbleibende Tagesstruktur hilft Demenzkranken, sich an bestimmte Dinge zu erinnern und motorische Fähigkeiten zu trainieren. Wird ihnen allerdings das frühe Aufstehen, die Zubereitung des Frühstücks oder das Ankleiden abgenommen, reagieren sie häufig verunsichert und hören komplett auf, diesen Tätigkeiten selbstständig nachzugehen.“

Gelingt hingegen die Integration des Betroffenen in den Alltag der Angehörigen, sorgt das für Selbstbewusstsein und macht die neue Umgebung zu einem sicheren Ort. Und diese Sicherheit hilft den Demenzkranken wiederum dabei, an besonders schlechten Tagen psychisch stabil zu bleiben. Das vertraute Wohnumfeld und der ritualisierte Alltag sind dann häufig die entscheidenden Faktoren, die einer Panik, Depression oder Aggressivität entgegenwirken können.

Auch Demenzkranke haben ein Recht auf die Wahrheit

Früher oder später müssen sich Angehörige von Demenzkranken einer Frage stellen, die mit großen Unsicherheiten verbunden ist: Sollten den Erkrankten schlechte Nachrichten vorenthalten werden? Pflegerin Anja kennt darauf nur eine Antwort: „Auch Demenzkranke haben ein Recht auf die Wahrheit. Und das nicht nur aus ethisch-moralischen Gründen, sondern auch, weil ihnen ein ehrlicher Umgang auf Augenhöhe aktiv hilft.“

Sie illustriert ihre Einstellung mit einem Beispiel aus ihrer eigenen Pflegeerfahrung. So habe eine junge Frau ihren Opa in die Wohngemeinschaft für Demenzkranke gebracht, dem erkrankten Mann aber den wahren Grund seines Umzugs verschwiegen. Stattdessen habe sie ihm erzählt, er sei nur im Urlaub und könne bald wieder nach Hause zurückkehren. Doch trotz seiner Demenz hat der 70-jährige schnell bemerkt, dass etwas nicht stimmt, fühlte sich unsicher, unternahm Fluchtversuche und griff die anderen Mitbewohner an. Eine ganz ehrliche Auseinandersetzung und Aussprache hätte hier laut Anja allen Beteiligten viel besser geholfen, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen.

Und auch in extremen Notsituationen empfehlen Anja und ihre Kollegen kompromisslose Ehrlichkeit den Erkrankten gegenüber — selbst im Todesfall eines engen Freundes oder Angehörigen: „Vor allem wenn die Demenz fortgeschritten ist, zeigen Betroffene nur selten noch emotionale Reaktionen, die wir als Trauer oder Empathie interpretieren würden. Die Nachricht scheint an ihnen vorbeizugehen. Und doch merken wir immer wieder, dass die Patienten sehr wohl verstehen, was ihnen da gesagt wird — und innerlich trauern.“ Gerade weil demenzkranke Menschen den Todesfall vergessen können und dann häufig wiederholt nach den Verstorbenen fragen, müssen Angehörige und Betreuer unbedingt bei der immergleichen Erzählung bleiben. Wer aus falscher Rücksicht nicht noch einmal die Nachricht vom Versterben überbringen will und stattdessen eine vermeintlich harmlose Geschichte erzählt, verwirrt den Demenzkranken und erschwert ihm den Umgang mit der Botschaft.

Verständnis und Zusammenarbeit erhalten die Lebensqualität

Empathie und eine Behandlung auf Augenhöhe sind immens wichtig, um die Lebensqualität eines demenzkranken Menschen auch nach dem Auftreten erster Symptome zu erhalten. Fehler im Alltag, die den Patienten zwangsläufig immer häufiger passieren werden, seien hier dienliche Möglichkeiten, um mit dem Betroffenen in Kontakt zu treten und Erfolgserlebnisse zu schaffen, wie Anja erklärt: „Angehörige haben häufig den Reflex, Patienten darauf hinzuweisen, wenn sie einen Fehler gemacht und sich etwa zwei Socken über einen Fuß gezogen haben. Stattdessen ist es viel produktiver, den Betroffenen einfach machen zu lassen, solange er sich nicht selbst in Gefahr bringt und die Eigendynamik zu loben.“

Überhaupt hat es Sinn, den Eigenantrieb der Demenzkranken zu nutzen, damit diese weiter aktiv bleiben: „Wenn beispielsweise der erkrankte Vater eines Morgens denkt, er muss heute zur Arbeit gehen, kann man sich mit ihm an den Küchentisch setzen und miteinander Briefe an Verwandte schreiben.“ Dabei ist es zweitrangig, ob die gemeinsame Beschäftigung der früheren Arbeit des Demenzkranken ähnlich ist. Solange die Tätigkeit deutlich aus dem Alltag des Patienten heraussticht, kann sie ihren Zweck erfüllen — nämlich das Bedürfnis der dementen Person nach einem „Arbeitstag“ zu befriedigen. Dazu ergänzt Anja: „Außerdem macht die gemeinsame Beschäftigung normalerweise allen Beteiligten viel Spaß, gibt den Patienten Halt und trainiert nicht zuletzt die motorischen Fähigkeiten.“ Allesamt Vorteile, die insgesamt die Lebensqualität auf hohem Niveau halten können.

Diese Beispiele zeigen, dass Demenz nicht nur für die Patienten, sondern auch für ihre Angehörigen eine große Herausforderung darstellt. Doch die Auseinandersetzung mit dieser neuen Lebenssituation kann gelingen, wenn vor allem das pflegende Umfeld neugierig, offen und respektvoll bleibt.

*Alle Namen wurden redaktionell geändert, um die Privatsphäre der Zitierten zu schützen.

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