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Wie geht es nach dem Tod weiter? Eine Frage, die die Menschheit schon lange begleitet und auf die Philosophen, Religionen und Esoteriker eine Antwort zu finden versuchen. Filmemacher fasziniert dieses Thema gleichermaßen, da bis heute wissenschaftlich nicht belegbar ist, ob und wenn ja, was genau mit der Seele eines Menschen nach dem Tod passiert. Viele cineastische Werke befassen sich mit dem „Leben nach dem Tod“, wobei zwei Genres hierbei öfter bedient werden als andere – Horror und Romanzen.

Bei beiden Filmgattungen ist die Verbindung klar: Im Horrorbereich treten in der Regel Geister auf, die sich an den Lebenden rächen wollen, bei der Romanze ist der Spuk eher wehklagender Natur. Dem Zuschauer wird hier häufig über die Erzählperspektive des Verstorbenen das Leid der Zurückgelassenen nähergebracht. Alle Handlungen spielen sich dabei in der Welt der Lebenden ab. Doch auch hier bleibt nach wie vor die eine Frage offen: Was kommt danach? Ein Film, der sich besonders intensiv mit dieser Frage auseinandersetzt und die Romanze mit dem Horrorgenre verknüpft, ist „Hinter dem Horizont“ aus dem Jahr 1998.

Wunderschön anzusehen – auch nach 20 Jahren

Die Verfilmung des Romans von Richard Matheson, dessen Originaltitel „What Dreams May Come“ auf dem berühmten Sein-oder-nicht-Sein-Monolog aus „Hamlet“ beruht, konnte bei seiner Veröffentlichung zumindest finanziell wenig überzeugen: Bei einem Produktionsbudget von ungefähr 85 Millionen US-Dollar spielte er in den USA lediglich 55,4 Millionen wieder ein. Allerdings bestach der Film damals vor allem optisch. Für seine visuellen Effekte erhielt er sogar einen Oscar, das Szenenbild wurde immerhin für den Goldjungen nominiert. Und auch nach 20 Jahren sieht der Film erstaunlich gut aus – die Vision des Jenseits von Regisseur Vincent Ward begeistert nach wie vor.

Die Geschichte folgt dem Kinderarzt Chris Nielsen (Robin Williams), der bei einem Autounfall ums Leben kommt, kurz nachdem seine beiden Kinder dasselbe Schicksal ereilte. In seinem persönlichen Himmel aufgewacht, soll er zusammen mit seinem ehemaligen Mentor Albert Lewis (Cuba Gooding Jr.) die Regeln im Reich der Toten kennenlernen. Chris hat damit massive Probleme. Er will einfach noch nicht einsehen, dass er gestorben ist, doch ohne diese Einsicht kann er nicht im Jenseits „ankommen“. Die ersten Szenen, in denen er mit seinem Tod hadert und Albert, seinen späteren Führer ins Jenseits, nur verschwommen wahrnimmt, erinnern an das Sterbephasenmodell nach Elisabeth Kübler-Ross. Es besagt, dass man auf dem Weg zum Tod fünf Phasen durchlebt: Ablehnung, Zorn, Verhandeln, depressive Phase, Zustimmung. Während Chris als körperlose Entität durch seine eigene Beerdigung schwebt, möchte er nicht wahrhaben, dass er tot ist und lehnt diese Realität ab. Erst, als er seine Angst vorm „Verschwundensein“ überwindet, manifestiert er seinen Körper im Jenseits. Denn wie Albert sagt: „Du bist noch da – du bist nur tot.“ Chris größte Aufgabe besteht darin, diesen Tod zu akzeptieren und seine Frau Annie (Annabella Sciorra) loszulassen, andernfalls wird er nicht weiterziehen können. Dieses große Ziel ist etwas klischeehaft visualisiert: Ein Licht am Ende des Tunnels – das wohl gängigste Sinnbild für den Sterbeprozess.

Danach nimmt „Hinter dem Horizont“ den Zuschauer auf eine wunderschöne Reise mit. Das Jenseits ist in Vincent Wards Werk fest mit den Erinnerungen der Verstorbenen verbunden. Da Chris und Annie in ihrem Leben viel mit Kunst zu tun hatten, erwacht er in einem Gemälde seiner Frau – mitsamt der verstorbenen Familien-Hundedame Katie. So kommt er schon recht früh zu einer wichtigen Erkenntnis: „Der Ort, an dem wir uns alle wiedertreffen, kann nicht so schlecht sein […].“ Chris und Albert unterhalten sich im Ölgemäldeidyll über die Idee des Ichs, und dass es im Grunde eine Art Seele ist, die mit der Existenz nach dem Tod zu tun hat. Kleine philosophische Exkurse dieser Art kommen im gesamten Film immer wieder vor. Sie regen zum Denken an und geben schlüssige Erklärungen, warum die Dinge in „Hinter dem Horizont“ so funktionieren, wie sie es tun.

Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon

Allerdings scheint es, als wolle sich der Drehbuchautor Ronald Bass nicht festlegen, welcher allgemeinen Vorstellung des Jenseits er nun entsprechen möchte. Zum einen finden sich sehr klare christliche-religiöse Züge. Gott scheint zu existieren, auch wenn selbst die Toten ihn nicht wahrnehmen können, die ersten Ausflüge ins Jenseits gleichen dem Paradies und auch die Todsünde des Selbstmordes wird thematisiert. Gleichermaßen werden auf der anderen Seite aber auch andere Glaubensrichtungen und Geschichten mit eingewoben. Die Idee der Reinkarnation, die in „Hinter dem Horizont“ aufgegriffen wird, kennt man am ehesten aus dem Buddhismus, auf einem der am Rand zur Unterwelt gestrandeten Schiffe prangt als Schriftzug „Cerberus“, bekannt als Wächter zum Eingang der Hölle in der griechischen Mythologie. Generell erinnert die hier gezeigte Hölle mit ihren dunklen Farben mehr an das Werk des italienischen Dichters Dante („Göttliche Komödie“) als an das vom Teufel und Flammen regierte Reich, das dem christlichen Glauben entstammt.

So passt es auch, dass Chris sich hier, wie der Ich-Erzähler bei Dante, auf den Weg in die Tiefe der Hölle macht. Dort findet er seine geliebte Annie wieder. Diese konnte den Verlust beider Kinder und ihres Ehemannes nicht verkraften und nahm sich selbst das Leben. Was ihr fehlt, ist der letzte Schritt, der, den Chris an diesem Punkt schon gegangen ist – sie kann ihren Tod nicht akzeptieren und weiß nicht, dass sie in der Hölle sitzt, im Reich der Toten. In Rückblenden sieht der Zuschauer, wie die innige Liebe zwischen den beiden dazu führte, dass sie sich als Paar nach dem Unfalltod ihrer beiden Kinder wieder erholen konnte. Allerdings bleiben diese Szenen stark unterrepräsentiert und auch generell wird die Welt der Lebenden nur oberflächlich angerissen. So wirkt die Reise von Chris zu Annie und auch die Auflösung, die beiden seien seelenverwandt, eher wie ein Vorwand: Chris genießt nicht einfach sein Leben nach dem Tod im Jenseits, sondern fühlt den inneren Drang, in die Hölle hinabzusteigen. So schafft es der Film, auch auf die dunklen Seiten des Todes einzugehen.

Trotz seiner äußerst düsteren zweiten Hälfte hält „Hinter dem Horizont“ bis zuletzt an seinem positiven Grundton fest. Der Gedanke, dass man nicht einfach aufhört zu existieren und für seine positive Einstellung zum Leben im Jenseits belohnt wird, ist ein äußerst beruhigender. Und wenn wir dann sehen, wie sich Chris und Annie, wiedergeboren in New York, genauso wiedertreffen wie zu Beginn ihres alten Lebens, schließt sich die Klammer um einen nicht nur optisch wunderschönen Film.

Bilder:  Universal Pictures International Germany GmbH

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